Überlegungen zu Mapping, der Manipulation und dem Gesetz.


Wir werden oft gefragt, ob ein Mapping nötig wäre oder wozu es gut wäre. Mapping  ist in aller Munde und offenbar aus der Szene nicht mehr wegzudenken. „Wir haben ein neues Mapping aufgespielt“, sagt der Werkstattmeister zu seinem Kunden, wenn er nach dem Einbau einer Auspuffanlage die Arbeiten erläutert. Was genau das für Auswirkungen hat, kann / will er aber meist nicht erklären.  Machen wir mal:

Das „Mapping“ ist im Grunde nichts anderes als eine riesengroße Tabellensammlung. Als  Inhalt dieser Tabellen sind dort die Werte für die Verbrennung festgelegt. Sprich: Wie lang ist die Einspritzzeit, wann erfolgt der Zündzeitpunkt? Jeder Einspritzmotor muss mit diesen Basisdaten versorgt werden, der Techniker spricht vom sogenannten Alpha-N-Kennfeld. Das Grundkennfeld ist rein physikalisch betrachtet eine feste Größe, welche die optimale Verbrennung in einem Motor regeln soll.
In den Kennfeldern sind in Abhängigkeit von Motordrehzahl und Drosselklappenöffnung (Gasgriffstellung) die Werte für Zündzeitpunkt und Einspritzzeit festgeschrieben. Überträgt man die Tabellenwerte in eine dreidimensionale Grafik mit x-, y- und z-Achse, ergibt sich das Bild einer Landkarte (englisch Map). Neben einer Basis-Map existieren weitere (Korrektur-)Maps, die eine optimale Abstimmung bei unterschiedlichen Fahrzuständen (beispielsweise Kaltstart oder niedriger Luftdruck bei Alpenfahrten) sicherstellen sollen.

 

  • Auch ein schönes Wort ist der „Lambdawert“. Der bezeichnet d Luftverhältnis und gibt Auskunft darüber, inwiefern das Luft-Kraftstoff-Gemisch vom Ideal abweicht. Lambda gleich eins bedeutet: auf ein Kilogramm Kraftstoff kommen 14,7 Kilogramm Luft, das Massenverhältnis für eine optimale Verbrennung stimmt. Ist der Lambdawert kleiner als eins, besteht ein Luftmangel, daraus ergibt sich ein (leistungsförderndes) fettes Gemisch. Ist der Lambdawert größer als eins, herrscht ein Luftüberschuss, das Gemisch ist mager, der Kraftstoffverbrauch sinkt. Gemessen wird der Lambdawert über die Lambdasonde Sonde im Auspufftrakt. Je nach Wert kann das Steuergerät die Gemisch Zusammensetzung korrigieren.

 

  • Die ersten Einspritzanlagen von Harley-Davidson hatten noch keine Lambdasonden und mussten mit einem festen Mapping, programmiert auf die Serienausstattung Motor / Luftfilter / Auspuff auskommen. Bei der Abstimmung einer Harley-Davidson müssen schon die Werkstechniker Kompromisse schließen: Wie lässt sich beste Fahrbarkeit mit den gesetzlichen Vorgaben bezüglich Abgas- und Geräuschemissionen kombinieren. Klar ist: Das Mapping ist genau auf den Serienzustand angepasst.  Wenn Teile geändert werden, beispielsweise andere Luftfilter oder Zubehör-Auspuffanlagen wird die Motorsteuerung plötzlich mit neuen Konstellationen konfrontiert und muss Werte verarbeiten, die in keinem Kennfeld erfasst sind.

 

  • Für die Klappenauspuff-Systeme beispielsweise wird das Mapping der Einspritzanlage vornehmlich auf die offene Klappe programmiert, weil man davon ausgeht, dass der Besitzer einer solchen wohl ohnehin und mehrheitlich mit der offenen Klappe fahren wird.  Also legt man Wert darauf, das sie im Vollastbereich richtig gut aus dem Quark kommt und nicht zu mager läuft. Aber der  Volllastanteil macht maximal 5-6 Prozent aus. Viel wichtiger ist der Bereich mit 20 bis zirka 45 Prozent geöffneter Drosselklappe – wo du aus der Kurve raus wieder ans Gas gehst, über Land fährst oder einfach mal dahin cruist. Da die Einspritzanlage von Harley-Davidson nur eine Map speichern und ausführen kann, die über die Sensoren geringe Abweichungen zur Anpassung an z. B Höhenmeter und Temperaturen zulässt und diese auf ein statisches ( nicht veränderliches)  System, bestehend aus Lufteinlass, Motor und Auspuff ausgerichtet ist,  bedeutet dies dann im Umkehrschluss, das das Mapping für den Rest der Betriebszustände, zu 50-55 % suboptimal wäre oder einfacher gesagt, die Kiste läuft wie ein Sack Nüsse. Die Einspritzanlage berücksichtigt keine autarken, zusätzlichen Systemkomponenten.  Darüber tröstet vielleicht wenigstens der sonore Klang etwas hinweg. Aber sagen, so richtig erklären wird das wohl keiner dem potenziellen Käufer einer systemgesteuerten Anlage, die ohne spezielles Mapping nicht korrekt laufen würde.

 

  • Auch das Gesetz hat einen klaren Standpunkt.  Wer das Serien-Mapping verändert, riskiert dem Verlust der Betriebserlaubnis.  Mittels genau abgestimmtem Einspritzsystem stemmt Harley-Davidson die Modelle die Homologationshürden.  Die Betriebserlaubnis erlischt, wenn negativer Einfluss auf das Abgasverhalten genommen wird. So regelt es die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung in § 19, Absatz 2.  Und das heißt unterm Strich: Zusatzgeräte wie Autotuner, Power Commander und Co oder gänzlich veränderte Mappings dürfen auf öffentlichen Straßen nicht genutzt werden. Die Alternative wäre die Einzelabnahme mit neuem Abgas- und Geräuschgutachten. Doch die Kosten dafür sind recht hoch.

 

  • Doch der unbedarften elektronischen Kur könnte bald ein Ende bevorstehen.  Die neueste Generation von Einspritzsystemen ab Euro 5 registrieren über das ODB System zuverlässig Manipulationen an dem Mapping und Systemeingriffe und hinterlegen sie in einem nicht löschbaren Speicherbereich. Das wiederum können dann entsprechend Befugte im nullkommanix auslesen – und ziehen dann eben so schnell die Konsequenzen für den Besitzer der kontrollierten Maschine.  Man könnte durchaus sagen sagen „Die Geister, die ich rief“ – mit den Abgasskandalen der Letzen Zeit-  „die werden wir nicht mehr los“!

 

  • Wir glauben, jede zweite Harley-Davidson läuft längst nicht mehr mit dem Serienmapping. Zugegeben, mit dem “ Upgrade“ läuft es zumindest für den Fahrer besser, satter, hat mehr Druck…ob für die Umwelt auch was übrig bleibt, muss jeder für sich entscheiden.

Be the first to write a comment.

Respond

UA-67458410-1